Landwirtschaft und Tierhaltung in der Wüste? Klingt absurd. Mit dem Prinzip der Permaculture ist das aber eine runde Sache!

 

Arbeiten auf einer Eco- Ranch

 

Ich bin wieder die erste, die wach ist. Mein Körper hat sich sofort an den Rhythmus der Natur angepasst und ich liebe diese ruhigen Morgenstunden für mich allein. Außerdem habe ich super viel Energie und erklimme erst mal die nächste Düne. Die Hunde finden das super und folgen mir auf Schritt und Tritt. Vor allem Meloud weicht mir nie von der Seite. Ich sitze auf der Düne und bin einfach nur glücklich hier zu sein, als die Hunde laut bellend Richtung Strand rennen. Ich laufe an den Rand der Klippe und da sehe ich sie: Eine Gruppe wilder Pferde die leicht am Ufer entlangtrabt. In einigen Abstand dazu ein Esel, der sich zu mir dreht. Oh Gott, ich kann es kaum fassen, ich bin total bezaubert. Ich muss an das Kinderbuch „Der Esel und ich“ denken, das ich so geliebt habe. Als Kind habe ich mir immer gewünscht, dass ich auch mal einen Esel am Strand finde und mit nach Hause nehmen darf. Aber auch ohne ihn mitzunehmen bin jetzt ich total happy.

Pferde am Strand in Baja California
Pferde am Strand in Baja California
Blogartikel über das Arbeiten auf einer Eco-Ranch in Baja California. © Nina Fabienne Scholz
Esel am Strand von Baja California © Nina Fabienne Scholz

 

Permaculture in der Wüste

Meine gute Laune übertrage ich gleich mal auf Jean, der morgens immer noch ein bisschen mufflig ist. Insofern nutzen wir noch die einigermaßen kühlen Stunden, um die Wege mit Pfahlen zu sichern und neue Beete anzulegen. Ganz schön anstrengend, aber nach getaner Arbeit bin ich stolz.

Das sind Jean und March auch – zu Recht. Sie haben hier nämlich mitten in der Wüste ein kleines, nachhaltiges Ökosystem aufgebaut. Nach dem Prinzip der Permakultur existiert hier jetzt ein ökologischer, sparsamer Kreislauf, den sie mit den Ressourcen der Natur erschaffen haben. Ich finde das alles unglaublich spannend. Ein paar Sachen zeige ich euch in meinem kleinen, verschlafenen Rundgangvideo am Morgen. Allerdings hat mein Selfystick kurz zuvor den Geist aufgegeben und die Tapekonstruktion hat nicht 100% funktioniert. Insofern ist dieses Video ziemlich wackelig, sorry! Ich poste es außnamsweise aber trotzdem mal.

Eco-Garten in der Wüste Baja Californiens © Nina Fabienne Scholz
Eco-Garten in der Wüste Baja Californiens © Nina Fabienne Scholz

Wie Eco bereits impliziert werden auf der Ranch keinerlei chemische Dünger für die Pflanzen benutzt. Zum Abspülen und Duschen gibt es auch nur ökologisch abbaubare Seifen, damit das gebrauchte Wasser zur Bewässerung der Pflanzen weiterverwendet werden kann. Abgewaschen wird oldschool per Hand in drei Reinigungsschritten, um so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen. Anschließend wird das Wasser durch ein Sieb in einen Behälter geschüttet, der zu einer Schicht aus Sand und Stroh führt. So wird das Wasser auf natürliche Art gefiltert. Dann wird es durch ein unterirdisches Bewässerungssystem zu den Gärten geleitet.

 

 

 

 

"Dry toilet" / Komposttoilette Eco-Farm © Nina Fabienne Scholz
“Dry toilet” Eco-Farm © Nina Fabienne Scholz

 

Genauso funktioniert das in der Dusche. Die steht übrigens unten am Hang, damit keine Pumpe gebraucht wird. Das Wasser fließt dank der Gravitation ganz von alleine vom Tank zum Duschkopf und da alles in der Sonne steht, ist das Wasser auch immer schön warm. Die Toilette wiederrum ist eine sogenannte Kompost-Toilette oder auch Dry toilet und kommt komplett ohne Wasser aus. So wird nicht nur Wasser gespart, sondern auch wertvolle Erde für den kargen Wüstenboden generiert. Die Mischung aus Exkrementen, Sand und Holzspänen ergibt nämlich nach ungefähr einem Jahr nährstoffreichen Dünger. Und auch der Strom wird direkt aus der Natur gewonnen. Wie sich das in der Wüste anbietet natürlich über die Sonne.

 

 

 

 

Babykarotten aus Eco Garten © Nina Fabienne Scholz
Babykarotten aus Eco Garten © Nina Fabienne Scholz

Neben Solarpannels zur allgemeinen Energiegewinnung haben die Beiden sogar einen Solarofen. In dem garen March und ich gleich mal die selbstgeernteten Babykarotten mit frischem Fang vom nahegelegenen Fischer. Yummie.

 

 

 

 

 

 

Gefährliche Wüstenbewohner

Schlangen finden kühles Wasser in der trockenen Umgebung natürlich auch wunderbar. Die Dusche ist deswegen ein willkommenes Plätzchen zum trinken und ausruhen. Was ich wiederrum nicht ganz so toll finde. Nach meiner ersten Begegnung mit der Klapperschlange aus dem Video habe ich schon ziemlich Respekt. Als ich zwei Tage später Salat aus dem Garten holen will schrecke ich eine tiefschwarze Schlange auf, die mit ungeheurer Geschwindigkeit zwei Meter vor meinen Füßen ins nächste Gebüsch verschwindet. Seit dem habe ich zugegebenermaßen fast ein bisschen Schiss. Ich will auf jeden Fall nicht diejenige sein, die sie aus Versehen aus ihrem Nickerchen reißt. Duschen nach Einbruch der Dunkelheit ist deshalb für mich ab jetzt passé und ich checke vor jedem Shower alle Ecken mit einem langen Stab. Genauso wie mein Bett vor dem Schlafen gehen, denn neben Schlangen gehören auch giftige Spinnen und Skorpione zum Ökosysthem der Wüste. Tja, auch das Paradies hat seine Tücken. Heute träume ich bestimmt gut…

 

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