Arbeiten im Paradies, wie fühlt sich das an? Auf einer Eco Ranch in Baja California, der vorgelagerten Halbinsel Mexikos ganz wunderbar!

Arbeiten auf einer Eco- Ranch in Baja California

 

La Paz

N

Stadtstrand von La Paz

ach einer 2 stündigen Busfahrt (am besten mit Aguila) von Todos Santos bin ich in La Paz im südlichen Baja California angekommen und es ist ganz anders, als ich es mir erwartet habe. Ich hatte eher mit einer lebendigen Metropole wie Cabos oder Encenada gerechnet, aber die Stadt liegt verschlafen am ruhigen Meer. Die Atmosphäre ist mehr als relaxed und die Menschen vergnügen sich bis spät in die Nacht am Malecón, der langen Strandpromenade. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass hier Menschen auf offener Stasse erschossen werden. Zwar spielt sich die Kriminalität meist in den Außenbezirken ab, aber ab und zu kommt es eben doch einmal vor. Das erklärt mir jedenfalls die Besitzerin des Eisstandes, mit der ich nach dem dritten Minieis ins Gespräch komme. Es ist aber auch wirklich heiß und die für mich außergewöhnlichen Sorten wie Kaktus oder Mais zu verlockend für meinen Entdeckergaumen. Ansonsten gibt es in der Stadt nicht viel Besonderes zu sehen, sie ist eher Ausgangspunkt für Ausflüge zum wunderschönen Balandra Beach, Segeltourns oder Touren zur fantastischen Isla Espiritu Santo. Ich bin trotzdem aufgeregt, denn morgen holt mich Jean mit seinem Geländewagen ab und meine Zeit auf der Farm beginnt.

Balandra Beach, Baja California

 

In the middle of nowhere

Ich stehe mit meinem Backpack am Ende des Malecón, um auf Jean zu warten. Keine Minute später hält ein großer, alter Truck vor mir. Der schlaksige Fahrer nimmt grinsend seine Sonnenbrille ab. „You must be Nina“. Während er das sagt ist er auch schon aus dem Wagen gesprungen und hat meinen Rucksack auf die Ladefläche verfrachtet. Nice to meet you, I’m Jean, begrüßt er mich mit unverkennbar französischem Akzent und streckt mir seine Hand entgegen. Gleich darauf einen kleinen Hund: „ Und das ist Rob, einer unserer sechs Hunde“. Aja. Ich grinse nun auch und setzte mich mit dem Kleinen auf den Beifahrersitz. Jeans relaxte Art ist mir von Anfang an sympathisch. Gott sei Dank, denn man kennt sich ja vorher nicht. Bevor wir Richtung Ranch fahren machen wir noch ein paar Zwischenstopps um Vorräte zu kaufen. Die Heimat von Jean und March liegt nämlich einige Kilometer von La Paz entfernt und ist nur mit einem 4×4 fähigen Geländewagen zu erreichen. Dazwischen gibt es nicht viel außer ein paar anderen Ranches und Wüste. Mal kurz über die Straße zum nächsten Supermarkt ist also nicht drin.

Die beiden sind vor 10 Jahren nach Baja California ausgewandert und haben das keine Reiseunternehmen „Mexcapade“ (sehr zu empfehlen!) aufgezogen. Vor drei Jahren haben sie sich ihren Traum erfüllt eine eigene Eco Ranch aufzubauen. Unzählige Kakteen fliegen an mir vorbei bis wir nach ungefähr 40 Minuten holpriger Fahrt die kleine Ranch erreichen.

Ich höre schon von weitem lautes Gebell und nur eine Sekunde nachdem ich aus dem Wagen gestiegen bin, habe ich auch schon den Rest der sechs Hunde kennengelernt. Auch March begrüßt mich herzlich und führt mich erst einmal rum. Es ist traumhaft. Die Ranch liegt einsam auf einer Anhöhe nur einige Meter vom Meer entfernt, hinter ihr endlos weite Wüste. Ich schlafe in einem Trailer, in dem früher March und Jean gewohnt haben, als hier noch nichts stand. Jetzt wohnen sie in einer wunderschönen Palappa, die sie selbst gebaut haben. So wie auch den Rest der Ranch. Weitere Palappas, Toilettenhäuschen, Dusche, Gärten und Gehege und den Mirador, eine Plattform, von der man die unglaublichen Sonnenuntergänge bestaunen kann. Ich bin beeindruckt und glücklich.

Rancho Cactimar
Mirador

 

Jean und March

Nach dem kleinen Rundgang frage ich beim Abendessen nach meinen Aufgaben. Die Antwort ist so entspannt wie die beiden selbst. Ein bisschen Tiere füttern, ausreiten, kochen, neue Pflanzen anbauen, die Ranch verschönern und evtl. auch ein bisschen weiter bauen. Aber dafür ist es um die Jahreszeit eigentlich zu heiß. Als erstes werden wir morgen mal die Pferde besuchen, die ein bisschen weiter weg stehen und dann sehen wir, worauf wir Lust haben. Damit kann ich prima einschlafen.

 

 

 

 

Wie melkt man eigentlich Ziegen?

Sonnenaufgang von meinem Trailer aus

Das Licht, das durch die Fenster des Trailers fällt weckt mich auf. Ich öffne die Augen und das erste, was ich sehe ist die große Sonne, die langsam ihre Strahlen über Wüste und Meer ausbreitet. Oh Gott, dieser Blick ist so unbeschreiblich schön. Ich schaue auf die Uhr, es ist erst sechs Uhr morgens. Trotzdem stehe ich auf und ziehe mir einen Pullover an – die Nacht war ganz schön frisch. Sobald ich die Tür öffne stürmen die Hunde schon schwanzwedelnd auf mich zu. Nach einem Spaziergang am Strand setzte ich mich mit einer Tasse Kaffee an die Klippe und schaue der orangenen Sonne beim aufgehen zu. Ich kann mir keinen besseren Start in den Tag vorstellen.

Mittlerweile sind auch Jean und March wach und nach einem fruchtigen Frühstück geht’s auf zum „Nachbarn“. Alajandro ist ein kleiner Mexikaner um die 70 Jahre. Er wohnt schon sein ganzes Leben hier und kümmert sich neben seinen eigenen Hühnern, Schweinen, Ziegen, Hasen und Pferden mit um die Tiere von Jean und March. Ich bekomme gleich mal mehrere Küsschen aufgedrückt bevor ich von ihm lerne, wie man Ziegen melkt. Erst mal die richtige Ziege auswählen, anbinden, Eimer drunter stellen und dann mit lockerem Handgelenk und sanft-festem Druck an den Eutern nach unten streichen. Kann ja nicht so schwer sein denke ich mir, merke aber schnell, dass es das doch ist. Irgendwie will da am Anfang nichts rauskommen und die Ziege wird ziemlich bockig. Alajandro lacht. Nach ein paar weitern Anläufen habe ich es dann aber doch raus. Der Eimer füllt sich und danach gibt’s Kaffee mit Ziegenmilch in Campingbechern – erstaunlicherweise ziemlich lecker.

Ziegen melken
Bei den Ziege

Da die Tiere auch Durst und Hunger haben versorgen wir die bunte Truppe erst mal mit Wasser, Heu und Essensresten. Dann hat Alajandro noch eine spezielle Aufgabe für mich: Eine Ziege hat vor ein paar Tagen Junge bekommen und eines der Neugeborenen schwächelt. Aus irgendeinem Grund will es nicht von der Mutter trinken. So sitze ich mit dem kleinen Ding im Arm auf dem Boden und versuche ihm mit der Flasche Milch zu geben. Dabei schnappt sie sich zwischen lauthalsem Meckern auch immer mal wieder meinen Finger oder meine Haare. Ich könnte dahinschmelzen so süß ist sie.

 

 

 

 

 

Lebenselexier Wasser

Jetzt müssen wir nur noch Wasser tanken. Aus einem tiefen Brunnen pumpt Jean es in einen riesigen Kanister auf der Ladefläche des Trucks. Das dauert ungefähr eine halbe Stunde. Wasser gibt es nämlich auf dem Land von Jean und March nicht. Deshalb müssen sie alle 2 bis 3 Tage den riesigen Kanister auffüllen und auf ihrem Truck zur Ranch bringen. In der Wüste wird einem viel stärker bewusst, wie kostbar Wasser ist. Dementsprechend sparsam wird auch damit umgegangen. Wie dieser Prozess des Wassersparens genau aussieht will Jean mir morgen erklären. Für heute ist erst mal Schluss mit der Farmarbeit. Wir fahren zurück und widmen uns anderen essenziellen Dingen – Essen zum Beispiel. Und wir haben auch ganz schnell unser gemeinsames Lieblingsgericht rausgefunden: selbstgemachte Choclatechip Cockies – gibt’s von jetzt ab fast jeden Tag. Ich bin wirklich im Paradies!

Unwirklicher Mond

Zum Ausklang meines ersten Arbeitstages sitze ich wieder am Mirador – die Sonnenuntergänge sind einfach zu schön hier um sie zu ignorieren. Ein fast unwirklich aussehender riesiger Mond löst die Sonne am Horizont ab, gefolgt von tausenden Sternen über der stillen Wüste. Magisch.

 

 

Post A Comment