Einsame Strände zwischen bizarren Wüstenlandschaften und exotischen Meereswelten – die Halbinsel Baja California in Mexiko hat mehr zu bieten als Tequila und Luxushotels.

 

Baja California Sur

 

Die Sonne taucht die Landschaft in ein intensives, organgoldenes Licht. Die großen Kakteen um mich herum werfen immer längere Schatten auf den staubigen Boden. Ich sitze auf einer Sanddüne und schaue auf das weite Meer hinaus. Um mich herum nichts – nichts außer der Stille der Wüste hinter mir und dem Krachen der Wellen vor mir. Der kilometerweite Strand ist menschenleer. Wie auf einer Breitband Kinoleinwand beobachte ich, wie große, schwarze Vögel der untergehenden Sonne entgegenfliegen, ab und zu Finnen von Delphinen aus dem Wasser auftauchen oder ein Tier durchs struppige Gebüsch huscht. Ich atme tief ein und aus. Baja California, die …km lange Halbinsel, die sich unterhalb von Kalifornien nach Osten erstreckt aber zu Mexiko gehört, ist wirklich so schön, wie ich es mir vorgestellt habe. Wilde Wüstenlandschaften grenzen direkt an perfekte Wellen und bunte Meereswelten – ich bin im Paradies.

Vor einigen Tagen bin ich in Los Cabos im Süden Bajas gelandet. Ein Freund eines Freundes einer Freundin hat mich an zwei Jungs dort vermittelt, bei denen ich ein paar Tage wohnen kann, bevor ich für einige Wochen auf einer Ranch in der Nähe von La Paz arbeiten werde. Ich wollte mal wieder weg, vor allem in die Natur und am besten auch noch etwas Sinnvolles tun. Und so bin ich nach einiger Internetrecherche auf Jean und March gestoßen, die ihre Eco Ranch mit Pferden durch Permaculture betreiben.

 

Los Cabos

Bevor ich mich ins Farmleben stürze, genieße ich aber erst noch ein bisschen Luxus. Denn Juan und Carlos arbeiten beide in der Hotelbranche und wohnen in einem super netten Apartment mit Pool. Cabo San Lucas ist das Mekka des Tourismus in Baja California, vor allem für Amerikaner. Dementsprechend viele Hotels und Tourenangebote gibt es. Eigentlich nicht so mein Ding, aber in der richtigen Gesellschaft lässt sich das für eine Weile gut aushalten – besonders mit Flamingos im Becken. Außerdem gibt es ein paar schöne Ecken, an denen man den Partygruppen teilweise entfliehen kann. Die Schwesterstadt San José ist voll mit bunten Cafes, kleinen Galerien und ausgefallenen Bars, die ich Abend für Abend mit meinen neuen Freunden erkunde. Ein Ausflug mit dem Boot zum berühmten Arc, einem riesigen Felsbogen vor der Küste sowie dem Playa del amor ist Pflichtprogramm. Tipp: im Hafen Puerto Paraíso bis ans Ende zu den kleineren Anbietern laufen, da ist es nicht nur billiger, sondern man sitzt mit ein bisschen Glück auch fast alleine im Boot. Auch ein paar schöne Strände gibt es in der Gegend, wie z.B. den St Maria. Ruhig sind sie zwar nicht, aber das ändert sich, wenn man 1-2 Stunden von Los Cabos entfernt ist.

 

 

Cabo Pulmo zum Beispiel gehört zu einer der schönsten Tauchreviere dieser Erde. Und da ich noch ein bisschen etwas von Baja California Sur sehen möchte, miete ich mir mit Juan einen Geländewagen, denn nur mit einem 4×4 fähigen Auto kommt man an die südlichste Spitze Baja’s. Alleine die Fahrt dort hin ist spektakulär, was mich im Wasser erwartet ist einfach nur wundervoll. Zwischen den Korallenriffen tummeln sich zahlreiche kleine Fischschwärme in den schillernsten Farben, Rochen gleiten dicht über dem Boden und skurril aussehende Kreaturen schwimmen mit Schildkröten im kristallklaren Wasser um die Wette. Die etwas tieferen Gewässer sind wiederrum das zu Hause von Walhaien und Delphinen, siehe Video im Post „Schwimmen mit Delphinen“. Der Himmel im Wasser also und ein großartiger Abschluss meiner Woche in Cabo.

 

 

 

Todos Santos – Pueblo Magico

Am nächsten Tag fahre ich weiter in Richtung La Paz. Ich entscheide mich für die westliche Route, da es gerade keine Wind- und damit auch keine Kitesaison ist. Die ist im Herbst oder Spätfrühjahr. Dafür gibt es an der Pazifikküste im März gute Wellen, von denen ich einige erwischen will. Auf der Fahrt sehe ich bereits die ersten der insgesamt 120 Kakteenarten in Baja Claifornia. Ich mache einen Zwischenstopp in Todos Santos, einem der „pueblos mágicos“ in Mexiko. Das verträumte Städtchen liegt auf einer kleinen Anhöhe in der Nähe des Surfsspots Cerritos Beach und hat wirklich etwas Magisches. Umgeben von bergigen, fruchtbaren Oasenlandschaften ist es ein relativ wohlhabender Ort, in dem unglaublich viele Künstler leben. In kleinen Shops und großen Ausstellungsräumen bieten sie ihr Kunsthandwerk an. Ich trinke viel zu viel Kaffee, weil jedes schöner und kreativer ist als das Andere. Von Straßentischen schaue ich auf bunte Fahnen, die vor stahlblauem Himmel zwischen alten Kolonialhäusern hängen.

Eines davon ist das Hotel California, das wegen des berühmten Eagels Songs fast immer ausgebucht ist.

Das kann ich mir mit meinem Backbacker Budget leider nicht leisten und auch sonst ist es nicht gerade billig hier. Hostels oder ähnlich Preisgünstiges gibt es leider nicht. Am besten man kommt mit Camper oder Zelt, wenn man Geld sparen möchte. Dafür freundliche Einwohner, die im Stadtpark unter Palmen bei Essen und Spielen die Zeit verstreichen lassen. Ich nehme derweil ein paar perfekte Wellen.

Bei den obligatorischen Fischtacos gegen Abend werde ich interessiert befragt. Obwohl auch hier der Tourismus zunimmt, verirren sich doch wenig Europäer hierher und schon gar keine allein reisenden Mädels. Mit José verbessere ich mein Mexikanisch und er gibt mir den Tipp für den Sonnenuntergang zum Leuchtturm zu gehen, ungefähr eine halbe Stunde zu Fuß in Richtung Strand. Und so sitze ich also alleine auf der Düne und schaue dem magischen Naturschauspiel zu. Es wird dunkel und ich gehe lieber in das nahgelegene Restaurant. Obwohl ich mich generell sicher fühle in Mexiko ist es doch besser einen Mezcal (Tequila trinken meist nur Touristen) mit den Einheimischen zu heben, als im Dunkeln alleine am Strand zu sitzen. Der wird mir dank der immensen Gastfreundschaft der Mexikaner auch prompt spendiert und zwei schöne Tage hier gehen zu Ende.

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