Wolfgang Beltracchi
Wolfgang Beltracchi
Als Ausnahmetalent hat Wolfang Beltracchi jahrelang Werke von großen Künstlern gefälscht und damit Millionen verdient. Jetzt malt er seine eigenen Bilder und veranstaltet unter anderem Ausstellungen in der Galerie „art room 9“ von Curtis Briggs in München. Ein kurzes Interview mit beiden über Film und ihre Liebe zur Kunst.

 

Herr Beltracchi, Herr Briggs, wie stehen Sie zu Filmen? Können Sie generell Filmen als Kunstart etwas abgewinnen

Beltracchi:

Ich bin totaler Kino-Fan. In meiner Jugend war mein größter Wunsch Filme zu machen. Ich besaß als Jugendlicher eine Doppel-8 Kamera und nervte meine Umgebung mit meinem Beobachtungstrieb durch die Linse.

Weil ich mit 17 noch zu jung für die Zulassung an einer Filmschule war, ging ich, auf Anraten meiner Mutter, an eine WKS um dort zu studieren. Das war möglicherweise ein Fehler, jedenfalls bin ich dann nicht mehr zur Filmhochschule gekommen.

Trotzdem habe ich später ein Betacam SP Studio besessen, habe Drehbücher geschrieben und versucht verschiedene Filmprojekte zu realisieren. Mich haben dabei Dokumentationen oder Semi-Dokumentationen am meisten interessiert.

Auch heute noch interessieren mich Doku-Filme. Bei unserer Doku Die Kunst der Fälschung  waren meine Frau und ich Co-Autoren.

Da mir aber das Geld für umfangreiche Produktionen fehlt, arbeite ich heute, neben meiner Arbeit als Maler und Bildhauer, mit dem SRF/3SAT an TV-Produktionen. Aber die Liebe zum Kino bleibt natürlich.

Briggs:

Ich komme sogar vom Fernsehen. Vor meiner Zeit als Galerist wollte ich auch immer Filme machen und an die Filmhochschule gehen. Ich habe dann angefangen, kleine Dokumentarfilme zu drehen und sie an den Bayerischen Rundfunk zu verkaufen. Außerdem habe ich als Redakteur beim ARD gearbeitet. Das wurde dann irgendwann so viel, dass ich überhaupt keine Zeit mehr für die Filmhochschule hatte. Mich hat aber auch immer Musik interessiert, so dass ich auch in die Musikproduktion eingestiegen bin. Das Schöne am Film ist ja, dass er mehrere Künste in sich trägt. Für mich ist der Oscar einer der interessantesten, größten und ehrlichsten Preise in der Kunstwelt. Da wählen die Künstler aus ihrer Zunft den wirklich Besten.

Wie haben Sie Herrn Beltracchi kennengelernt?

Ich hatte mal eine Veranstaltungsreihe in meiner Galerie, in der ich Künstler über ihre spannendsten Lebensgeschichten interviewt habe: „stories behind the scenes“. Ich habe Beltracchi gefragt, ob er daran teilnehmen könnte. Daraufhin bin ich für ein Kennenlernen nach Köln gefahren, wo er damals noch in Haft saß. Wir haben uns sofort wahnsinnig gut verstanden. Aus der Teilnahme der Abendveranstaltung wurde bald der Plan für eine gemeinsame Ausstellung.

Herr Beltracchi, haben Sie den neuen Van Gogh Film gesehen und wenn ja, was halten Sie davon? Ist das in Ihren Augen Kunst?

Als der Film Loving Vincent noch in Produktion war, haben wir daran gedacht die im Film verwendete Technik der Vermischung von Film und Übermalung für einen Dokumentar-Film zu nutzen. Mit einer Pariser Produktionsfirma arbeite ich seit 2015 an einer Dokumentation über die Liebe und die Kunst, sie trägt den Arbeitstitel Painted Love.

Wir haben uns dann doch dagegen entschieden, weil diese übermalten, bewegten Bilder zwar sehr schön wirken, aber für unsere Aussage nicht wirklich geeignet sind.

Ob es sich bei dem Film oder der verwendeten Technik um Kunst handelt? Nun, Kunst ist was man als Kunst empfindet.

Ich finde es immer spannend, wenn der Wunsch nach einem Voranschreiten in der Kunst, hier die Filmkunst, zu neuen Techniken oder neuen Bildwahrnehmungen führt. Dieser Film kann beim Betrachter möglicherweise zu einer neuen Rezeption der Gemälde Van Goghs führen.

Als Maler hat er mich allerdings nicht wirklich überzeugt, als Kino-Fan ging es mir ähnlich. Das kann aber an meiner speziellen Sicht auf die Malerei liegen.

Sehenswert ist dieser Film auf jeden Fall.

Was macht bzw. hat Ihnen mehr Spaß gemacht? Die akribisch genaue Studie und die perfekte Beherrschung der Handschrift großer Künstler oder das Malen eigener Werke in eigenem Stil?

Vor allem macht mir Spaß, aus meinem umfassenden Vermögen schöpfen zu können. Mir steht unsere gesamte Kulturgeschichte zur Verfügung und ich habe die Gabe mich in allen malerischen Sprachen ausdrücken zu können.

Nichts ist schlimmer, als sich vom Kunsthandel in einen Stil, in eine Brand, pressen zu lassen. Nichts ist unkreativer, als immer im selben „Stil“ arbeiten zu müssen. Ich lehne das völlig ab. Ich weigere mich, mir meine künstlerische Freiheit nehmen zu lassen, um mich der Doktrin eines sogenannten „eigenen Stils“ zu unterwerfen. Warum sollte ich das tun? Ich nehme mir die Freiheit meine Aussagen in dem von mir dazu gewählten Stil zu treffen, egal ob es nun eine Handschrift eines vergangenen Malers ist oder eine meiner vielen „Handschriften“.

Herr Briggs, Sie haben bereits zwei Ausstellungen mit Herrn Beltracchi in München veranstaltet – „Freiheit“ und „Free Method Painting“. Was ist das Besondere an den Gemälden Beltracchis?

Das Besondere ist, dass er durch seine einzigartige Fähigkeit, nahezu jeden Maler nachzuahmen zu können, ein eigenes Genre erschaffen hat. Wir nennen es „Free Method Painting“, in Anlehnung an das „Method Acting“ aus der Schauspielkunst. Durch seine intensive Beschäftigung mit den Künstlern kopiert er nicht deren Bilder, sondern versetzt sich so in sie hinein, dass er ihr Denken, Fühlen und Handeln übernimmt. Er ist damit in der Lage, ganz neuartige Gemälde in deren Stil zu verfassen und Stile unterschiedlichster Maler und Epochen miteinander zu vereinen. Beltracchi ist es wichtig, dass der Betrachter das Gemälde erfasst und nicht dass „eine Wiedererkennbarkeit“ vorliegt.

Herr Beltracchi, welche aufregenden Projekte sind derzeit in der Planung?

Ich arbeite zurzeit an verschiedenen Projekten. Wie gesagt, gibt es den Doku-Film den wir produzieren. Dann arbeite ich an einem internationalen Ausstellungsprojekt: Kairos, Der Richtige Moment. Die Idee dazu hatte mein Freund Christian Zott, der das Projekt unterstützt und präsentieren wird. Mit einem Team junger Wissenschaftler finden wir wichtige Momente aus 2000 Jahren europäischer Kulturgeschichte. Momente die nie gemalt wurden, die praktisch im Cronos der Kunstgeschichte fehlen. Die Ausstellung beginnt am 5. Oktober in Venedig und wird dann weiter durch Europa ziehen.

Außerdem arbeite ich an der Bühnengestaltung für die Show „Art on Ice“. Diese schweizerische Show hat in diesem Jahr den „Golden Nights Award“ bekommen. Eine Auszeichnung für die weltbeste Bühnenshow. Mit Musik, Tanz, Eislauf und meiner Kunst soll ein Gesamtkunstwerk entstehen, das viele tausend Menschen begeistern wird.

Natürlich arbeite ich auch noch an meinen Skulpturen und ich hoffe, mit meiner Frau bald mit einem Roman fertig zu werden, an dem wir schon länger schreiben.

Wie gesagt, mich immer nur mit einem „Eigenen Stil“ zu wiederholen würde mich langweilen.

Interview – Wolfgang Beltracchi

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art room 9

Art Gallery

Description

Ein Interview mit dem berühmten Kunstfälscher Wolfang Beltracchi und seinem Galerist in München über Film und ihre Liebe zur Kunst.

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Interview, Text